Ankershagen und Friedrichsfelde mit Bornhof

Ankershagen und Friedrichsfelde mit Bornhof
Südlich der B 192, zwischen Waren und Penzlin, liegt nördlich vom Quellgebiet der Havel Ankershagen. Der Ortsname wird auf die Gründerfamilie v. Anker (Anckere) zurückgeführt, die im 13. Jh. aus dem Lauenburgischen hierher kam, den Wald roden ließ und den Boden urbar machte. Friedrichsfelde existierte lange vor Ankershagen samt Kirche. Südlich von dem Ort befindet sich das Havelquellgebiet. Die Urkunde (Nr. 377) aus dem angeblichen Jahr 1230 ist eine von vielen derartigen Fälschungen. Zu diesem Zeitpunkt sollte Ankershagen schon dem Kloster Broda zugehörig gewesen sein. Richtig ist, dass die Familie v. Anckere noch 1365 hier wohnte, wenn sie auch nicht alleiniger Besitzer war. Auch die Johanniter-Komturei Mirow besaß seit 1273 Anteile. Außerdem wurden 1328 bereits mehrere Bauernhöfe erwähnt. Über diese erhielten die Familien Gelder, Stalbom und v. Holstein nacheinander Besitzungen im Ort. Die v. Holstein gewannen an Einfluss und ab 1435 wurden sie als alleinige Besitzer des Rittergutes erwähnt. Henning v. Holstein, der 1546 starb, ist nicht nur der Stammvater aller späteren Holsteins in Mecklenburg, sondern ging als Raubritter Henning „Bradenkierl“ in die Geschichte ein. Nach dem 30jährigen Krieg verfiel das Vermögen der Familie v. Holstein und es wurde in kurzer Folge an Joh. Hauswedel, K. Putzar, J. Mörder, J. Sturtz, Melchowr v. Kossebade, Joh. Heinr. v. Erlenkamp, Klemens v. Wangelin und Philipp Brandt verpfändet. 1743 wurde es an den Hauptmann Henning L. v. Oertzen (Blumenow) verkauft. 1829 besaß es Freiherr v. Jasmund. 1831 kam das Gut an den Glashüttenmeister Ulrich Friedr. H. Strecker. Dieser hatte in Klockow von 1806 bis 1831 eine Glashütte betrieben, konnte sich dadurch das Gut Ankershagen kaufen und richtete auch hier eine Glashütte ( bis 1838) ein. 1854 folgte Ludwig Voss, dann 1875 Ernst Winkelmann, 1889 Andreas Graf v. Bernstorff und 1897 der Fabrikbesitzer Oskar Wolff. Vor Ausbruch des 2. Weltkrieges besaß Regierungsrat Paul Klotz das Gut. Im Mittelalter gab es in Ankershagen zwei Aurgen. Morastige Wiesen boten ihnen einen natürlichen Schutz. Eine stand direkt am Mühlenbach und ist heut gänzlich verschwunden. Die Zweite stand hinter dem Gutshaus, im heutigen Park. Dort ist eine große Burgruine zu finden. Ein mit Bäumen und Büschen bewachsener hoher Wall mit 50 m Länge und 8 m Breite, sicherte sie einst nach Westen. Im Osten fällt der Wall steil ab. Hier erinnern zwei bis drei Meter hohe Mauerreste aus Feld- und Ziegelsteinen und die Ruine eines viereckigen Turmes an die längst vergangene Burganlage aus dem 15. Jh. In der Mitte des 16. Jhs. ließ die Familie v. Holstein das Gutshaus im Renaissancestil westlich der alten Burg errichten. Der winklig angelegte zweigeschossige Putzbau macht heute eine schlichten Eindruck. Im 18. Jh. wurde der nordöstliche kurze Flügel, der mit einem Mansarddach versehen ist, angebaut. Diverse Veränderungen und der Bau des Treppenturmes wurden nach 1900 vorgenommen. Das gewölbte Kellergeschosss besitzt fast zwei Meter dicke Wände. An der Gartenfront ist eine Terrakottaplatte mit dem Bildnismedaillon eines bärtigen Mannes mit Barett zu finden, das einen der Herren v. Holstein darstellen soll. Geschaffen wurde es in der zweiten Hälfte des 16. Jhs. von Statius v. Düren (Lübeck). Im Mai 1945 quartierte sich auf dem Gutshof die Rote Armee ein. Nachfolgend wurde hier die Polytechnische Oberschule „Heinrich Schliemann“ eingerichtet, die bis 1998 bestand. Ein moderner Anbau stammt aus dieser Zeit. Heute ist es in den Händen des Blaukreuz Groß Vielen e. V. und soll ab 2004 für deren Arbeit umgebaut werden. Erwähnenswert ist eine alte Fachwerkscheune gegenüber dem Gutshaus. Die Ankershagener Kirche ist einen der bedeutendsten älteren Sakralbauten Mecklenburgs. Sie wurde 1266 vom Bischof v. Havelberg geweiht und war damals Tochterkirche von dem Kirchdorf Friedrichsfelde. Nach dem Eingehen jener Kirche bekam sie größerer Bedeutung. Denn damals sollen außer dem Pfarrer noch drei Kaplane im Dorf gewohnt haben. Der rechteckige Feldsteinbau im spätromanischen Stil mit eingezogenem quadratischen Turm wurde im Verlauf der vielen hundert Jahre mehrfach verändert und umgebaut. Der älteste und am besten erhaltene Teil ist der Chor mit seinen Schlitzfenstern, dem steilen Kuppelgewölbe und der Freskenmalerei an den Wänden. Im 14. Jh. wurde die flache Holzdecke im Schiff durch ein gotisches Kreuzgewölbe ersetzt und am Ende des 15. Jhs. das Langhaus zu einer zweischiffigen Halle mit Kreuzrippengewölbe auf quadratischen Pfeilern umgebaut. Ungewöhnlich ist, dass seitdem der östliche Pfeiler unmittelbar vor dem Triumphbogen steht und der Turmanbau aus dieser Zeit das frühgotische Westportal verdeckt. Das Obergeschoss des Turms wurde im 18. Jh. als achteckiger Fachwerkaufsatz mit geschwungener Haube erneuert. Beachtenswert ist der achtseitige Taufbehälter aus dem Jahre 1618. Außerdem sind Leuchter und Abendmalsgeschirr aus dem 17. und 18. Jh. vorhanden. 1992 fanden im Innerern umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Die Kirche ist in den Sommermonaten geöffnet. Weit über mecklenburgische Grenzen hinaus bekannt geworden ist das Dorf Ankershagen durch den Troja-Entdecker Heinrich Schliemann, der hier seine Kindheit verlebte und dessen Vater von 1822 bis 1834 Pfarrer der Kirche war. Auf dem Friedhof befindet sich ein bescheiden wirkendes Grab mit einem gusseisernen Kreuz, das an die Mutter H. Schliemanns erinnert. Das ehemalige Pfarrhaus ist Museum geworden. Zu erwähnen ist der idyllische Landweg von Ankershagen nach Pieverstorf. Dort steht eine 1,5 km lange Allee mit den selten gewordenen Ulmen. Friedrichsfelde grenzt direkt an Ankershagen und ist von beiden das ältere Dorf. Die Kirche ging bereits im 14. Jh. ein. Der Ort hatte eine eigene Gutswirtschaft. 1829 gehörte diese dem Freiherr v. Jasmund. 1838 übernahm der Sohn des alten Glashüttenmeisters (Ankershagen), Albert E. Th. Strecker, Friedrichsfelde mit Bornhof. 1899 gehörten beide Orte dem Direktor Georg Eduard de Grain. 1921 waren sie im Besitz von Regierungsrat Paul Klotz. Außerdem gab es 3 freie Bauern. 1937 übernahm es Dr. H. Heinke. Etwas von der Straße zurückgesetzt überrascht ein schönes Gutsensemble. Rechts und links stehen die ehemaligen Stallungen, die teilweise zu Wohnzwecken umgebaut wurden. Das Gutshaus, um 1830 gebaut, ist ein zweigeschossiger schlichter Putzbau über 11 Achsen und mit einem Mittelrisalit über drei Acsen auf einem Feldsteinfundamnt. Erwähnenswert ist eine Deckenmalerei im Flurbereich. Hinter dem Gutshaus geht ein weitläufiger Park in die Landschaft über. Nach dem 2. Weltkrieg wohnten zunächst Flüchtlinge hier. Später wurden neben einer Poststelle Wohnungen eingerichtet. Das Gutshaus blieb im Besitz der Gemeinde und wurde zwischen 1998 und 2002 saniert. Jetzt beherbergt es neben einer Informationsstelle über die Region sowie den Nationalpark eine Live-Übertragung aus einem Storchennest und ein gemütliches Cafe. Das Verwalterhaus in Bornhof wurde nach 1945 zunächst als Verwaltungsgebäude und später als Wohnung genutzt. Heute ist es in privaten Händen und wurde 2003 saniert.
Quelle: Gutsdörfer im Müritzkreis von Gerhild Meßner; Ernst-Ludwig Evers; Manfred Achtenhagen 

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