Alt Schwerin und Jürgenshof an der Müritz

Alt Schwerin und Jürgenshof
Das Straßendorf Alt Schwerin liegt an der Bundesstraße 192 zwischen dem Plauer und dem Drewitzer See und hat zu beiden Gewässern einen direkten Zugang. Den Namen Schwerin findet man öfter. So heißt die Landeshauptstadt, aber auch Halbinseln im Krakower See und in der Müritz tragen diesen Namen. Dieser geht zurück auf das altpolnische zver (wildes Tier) oder zverin (Wildgehege, Tiergarten, Pferdegestüt). Früher schrieb sich Alt Schwein „Zverin“. Durch seine Lage hatte das Dorf im Mittelalter eine strategische Bedeutung. Die Gegend durchzog 955 Kaiser Otto I. auf seinem Feldzug gegen den Obotritenfürsten Nacco. 1147 war Markgraf Albrecht des Bären mit 60000 (!) Kriegern auf seinem Kreuzzug hier. Kurze Zeit später rastete der Sachsenherzog Heinrich der Löwe in „Zwerin“. 1330 gelangte der Kaufmann v. Gamm in den Besitz des Ortes. Es war ein Hauptgut dieser Familie. Anfang des 18. Jhs. ließ sich die Familie v. Wangelin im Dorf nieder. Ab 1791 folgte ein außerordentlich rascher Besitzerwechsel. Innerhalb des folgenden Jahrhunderts sind 10 Eigentümer bekannt: Ernst v. Flotow, Theodosius v. Levetzow, Graf Lüttichau, Heinrich v. Sierstorff, Ernst v. Raven, Ludwig Schultze, Ernst Mierendorf, Friedrich Greffratz und erst Josua, später Magnus Klockmann. 1899 erwarb der Berliner Großkaufmann Johannes Schlutius das 3889 ha große Lehngut. Seine Ländereigen beliefen sich damit auf insgesamt 8200 ha. Er ließ die gesamten Besitzungen in ein Allod umwandeln. Bis 1945 blieben diese Ländereien im Besitz der Familie. Das Mausoleum der Familie, das 1906 (?) die Frau von Johannes Schlutius bauen ließ, ist eines der bedeutendsten spätwilhelminischen Grabbauten. Die Ruine befindet sich nahe der B 192 im NSG Brantensee. Nur noch Reste der mittelalterlichen Wallgrabenanlage des einstigen Ritterhofes, die die alte Burg Schwerin schützte, sind noch erkennbar. Der Wall wurde zwischen 1850 und 1860 eingeebnet. Das heutige Herrenhaus ließ sich 1733 der Generalleutnant Christian Friedrich v. Wangelin im Stil des norddeutschen Barock errichten. Der schlichte Backsteinbau auf einerm Souterrain, ist eingeschossig und besitzt elf Achsen. Ein Mansardengeschoss schließt sich an. Der dreiachsige Mittelrisalit an der Hofseite ist mit einem Dreiecksgiebel versehen. Eine Freitreppe führt ins Hauptgeschoss hinauf. Auf der Gartenseite wurde ein Altan mit Terrasse angefügt. Von einer einfachen Treppe gelangt man in den Park zu Platanen, Blutbuchen, Schwarzkiefern, Eichen und Rhododendren. Die Eingangstür mit Oberlicht soll noch aus der Erbauungszeit stammen. Innen gibt es eine zweiläufige Treppe nach oben. Hier hängt auch das Familienwappen der v. Wangelin. Am Eingang zum ehemaligen Gutshof steht zwischen zwei Stützpfeilern ein aus Vollrathsruhe hierher versetztes schmiedeeisernes Gittertor. Es ist eine sehenswerte Handwerksarbeit aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs. im Stil des Rokoko. 1893 erhielt diese außergewöhnliche Arbeit der Schmiedekunst auf der Weltausstellung in Chicago einen Sonderpreis. 1945 diente das Gutshaus zunächst der Roten Armee als Lazarett. Später wurde es Feierabend- und Altenpflegeheim. Zwischen 1997 und 2001 fanden umfangreiche Restaurierungen statt. Heute ist es immer noch eine Seniornepflegeheim. Die Gutsanlage ist in ihrem Umfang noch gut erhalten, obwohl ein Teil der Stallanlagen heute umgebaut sind. Erwähnenswert ist ein alter Schafstall und ein Speicher. Am nördlichen Rand existiert noch die alte Brennerei. Vor dem Gutshof flankiert ein prächtiges Verwalterhaus die schöne Kopfsteinpflasterstraße mit den alten Linden. Das Patronat über die Kirche hatte seit 1330 erst die Familie v. Gamm bevor es zwischen den jeweiligen Grundherren und dem Kloster Malchow wechselte. Zuletzt haftete es am Besitz von Alt Schwerin und Sparow. Ungeklärt bleibt die Kirchbauzeit. Die Angaben dazu reichen vom 13. bis zum 15. Jh. Als Geistliche sind u. a. 1370 Pleban L. Elers und sein Vikar A. Fabe überliefert. Während des 30jährigen Krieges drohte die Kirche zu zerfallen. Erst nach 1700 war sie wieder funktionsfähig  und wurde sogar im Jahr 1732 durch einen Fachwerkturm ergänzt. Wohl gleichzeitig setzte man das Kirchenschiff und das Dach tiefer und veränderte die gotischen Spitzbogenfenster. Mitte des 18. Jhs. entstanden an der Ost- und Nordseite Grabkapellen als Ruhestätten von derer v. Wangelin, die zwischen 1745 und 1758 verstarben. 1866 wurde der alte und baufällige Turm durch einen massiven Turm mit verschiefertem Spitzhelm ersetzt. Das Untergeschoss besteht aus Feldsteinen. Der Glockenturm wurde mit kleinformatigen Ziegeln aufgemauert. Er enthält eine Glocke aus Bronze, mit folgender Inschrift – ins Hochdeutsche übersetzt: „Im Jahre 1584 hat mich David Vowtech, Parchim, in Gottes Namen gegossen, Gottes Wort zu hören sei ein Jeden unverdrossen.“ Den lichten Innenraum überspannt eine von sechs Holzständern getragene Balkendecke. Die Schildbögen deuten auf eine geplante, aber nicht ausgeführte zweijochige Einwölbung hin. Nach 1950 erfolgte eine Umgestaltung des Innern. Der Kanzelaltar wurde entfernt, ein Kruzifix aufgestellt und die Winterkirche eingerichtet. Das einst mit Wappen bemalte, achteckige hölzerne Taufbecken aus dem Jahre 1699, wurde von H. Schulz aus Plau restauriert. Nach einem Inventarisierungsvermerk aus dem Jahre 1811 wurden etliche Kleinkunstwerke 1806 eine Beute plündernder Soldaten. Beachtung verdienen die an den Wänden aufgerichteten Grabplatten für J. C. Freiherr v. Wendhausen ( gestorben 1757 ) und U. W. Schrutt ( gestorben 1747 ). Die Nordgruft birgt die wappengeschmückten Sandsteinsarkophage des C. F. v. Wangelin ( gestorben 1755 ) und seiner Frau A. v. Heespen ( gestorben 1758 ). Bis 1945 besaß die Kirche eine Lütkemüller – Orgel. 1995 erhielt die Gemeinde die Friese – Orgel aus der gesperrten Dorfkirche in Boitin ( Landkreis Güstrow ). Unbedingt erwähnenswert sind weiterhin: 1. das Freigelände des Agrarhistorischen Museums mit seinem großen Bestnd an älteren Landmaschinen und Windmühle
2. die alte Dorfschule ( Umbau 1848 ) mit dem Inventar einer einzügigen Dorfschule um 1910
3. die einstigen Schnitterkasernen mit ihren Innenhöfen ( Backhäuser und Küchengärten )
4. In der Nähe ( ca. 1 km westlich ) befand sich im Ort Glashütte der letzte Glashüttenstandort Mecklenburgs ( 1847 – 1901 ).
Jürgenshof befindet sich gegenüber von Alt Schwerin am anderen Ende des Tauchowsees auf einer Landzunge. Der Ort ist ein alter Siedlungsstandort. Jürgenshof war zuerst ein Vorwerk von Alt Schwerin, bevor es sich um 1850 zu einem eigenständigen Gut entwickelte. Es gehörte wie Alt Schwerin zum ritterschaftlichen Amt Plau. Jürgenshof erlebte genauso wie Alt Schewrin ab 1791 einen raschen Besitzerwechsel. Wahrscheinlich war Jürgenshof auch zeitweise verpachtet. Zur Zeit der Familie Klockmann in Alt Schwerin gehörte das 344 ha große Lehngut Albert Klockmann. Aber es wurde 1899 zusammen mit Alt Schwerin an den Berliner Johannes Schlutius verkauft. Anfang des 20. Jhr. verpachtete seine Witwe Jürgenshof an Hermann Salchow. Das Gutshaus wurde, nachdem die Flüchtlinge herausgezogen waren, zuerst als Kinderferienlager und später als Lehrlingsswohnheim genutzt. Die Lage ist malerisch. Auf einer Anhöhe gelegen geht der Blick hinunter in den Obstgarten, der in einen Park übergeht. Nur noch wenige Bäume, darunter eine alte ausgehöhlte Eiche, sind erhalten. Vor dem Pächterhaus stehen 3 Linden. Das einstöckige, siebenachsige Haus besitzt auf beiden Längsseiten dreiachsige Giebel. Bei einem späteren Anbau wurde das gesamte Haus und sein Sockelbereich verputzt und die Eingangssituation verändert. Seit Sommer 2004 wird das Haus saniert.
Quelle: Gutsdörfer im Müritzkreis von Gerhild Meßner; Ernst-Ludwig Evers; Manfred Achtenhagen

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