Alt Schönau und Neu Schönau

Alt Schönau und Neu Schönau
Durch Alt Schönau, das etwa 7 km nordöstlich von Waren liegt, führt die Straße Richtung Malchin. Neu Schönau wiederum liegt ca. 2 km nordwestlich von Alt Schönau. Geschichtlich  sind beide Orte eng miteinander verbunden und aus Waldrodungen entstanden. Das ursprüngliche Dorf lag an der Nordseite des Kirchbergs. Bis 1880 standen hier noch Häuser. Alt Schönau hieß erst Schonowe, Schoenen und dann Groß Schönau. Urkundliche Ersterwähnung findet Alt Schönau 1230 in Güstrow. Schönau wurde außerdem bei der werleschen Landesteilung 1316 genannt, weil es mit Gievitz zum Parchim-Malchowschen Teil gelegt wurde. Seit 1404 waren die Scönow unbestrittene Besitzer von Schönau. Sie erhielten das Dorf von den Fürsten Klaus und Christoph vl. Werle als Lehn. Außerdem hatten hier gleichzeitig Rechte die v. Flotow auf Stuer, Pfandbesitzer des Landes Malchow. Sie verpfändeten 1488 ihren Besitz an Nicolaus Hahn (Basedow), der mit Anna v. Flotow vermählt war. Die Schönow verloren das Gut 1607, nachdem sie es schon Jahre vorher an Ventz v. Blücher verpfänden mussten und hatten nur noch Anteile hier. Nach dem 30jährigen Krieg wechselten die Besitzer häufig. Anteile bekam 1659 ers Kurt Behr, dann verkauften 1667 die v. Blücher ihren Besitz an H. Friedrich v. Lehsten (Wardow), der nach dem Aussterben der Familie Schönau 1671 auch alle anderen Anteile nach und nach erwerben konnte. Dann folgte 1684 J. Hinrich v. Erlenkamp, der den Besitz allodifizieren ließ. Er war es auch, der hier neben den Orten Vielist und Klein Vielen, eine Glashütte errichten ließ. Von 1726 an war Alt Schönau in den Händen der Familie v. Voss (Groß Gievitz). Auch sie investieren 1765 in eine Glashütte. Ihr Standort war das heutige Carlsruh, nahe Klein Gievitz. Im Jahr 1899 ging Alt Schönau an Ferdinand Meisenburg und im Jahr darauf an Friedrich Kolz. Nur wenig später übernahm der Husarenoffizier Alfred Wegener (Hamburg) das Gut. Er starb sehr jung und es erwarb der Hamburger Makler Pätz. 1912 übernahm es der Landwirt Ernst Piek und bewirtschaftet es bis 1945. Danach wurde es aufgesiedelt, um 15 Jahre später als LPG-Eigentum wieder zusammengeschlossen zu werden.

Neu Schönau wurde als Vorwerk von Alt Schönau gegründet. Das Verwalterhaus ist älter als das Gutshaus, das erst Ende des 19. Jhs. gebaut wurde. Die Gutsanlage mit zwei restaurierten Ställen und den Landarbeiterhäusern ist heute noch in ihrer klassischen Form vorhanden und daher etwas Besonderes. 1926 wurde das Gut für kurze Zeit von dem Schwager Pieks, R. Hoge, verwaltet, aber schon 1927 von dessen Vater, Georg Hoge, an den Rittmeister a. D. Manfred van der Horst (aus Westfalen) verkauft, der es bis zum 2. Weltkrieg besaß. Das Gutshaus, massiv aus Backstein gebaut, steht zweigeschossig auf einem Feldsteinfundament. Eine zweiseitige Freitreppe führt zum Eingang hinauf. Betont werden die Fronten durch jeweils einfache, aber unterschiedliche Mittelrisalite. Das Dach schließt das Gebäude flach nach oben hin ab. 1926 wurde das Gutshaus umgebaut und durch einen Wintergarten nach Osten erweitert. Seit dem Flüchtlingsstrom 1945 wurde es immer als Wohnraum genutzt. Mit der Bodenreform wurde das Haus in zwei Teile aufgeteilt. Ein Teil davon blieb privat, der andere ging in Genossenschaftseigentum über und wurde später von der Gemeinde verwaltet. 1990 konnten durch eine Privatinitiative und mit Hilfe eines Käufers beide Teile erworben werden. Seitdem ist das Gutshaus in mühevoller Kleinarbeit restauriert worden. Heute wohnen die Initiatoren selbst dort und konnten das Gutshaus zu einem Seminarzentrum entwickeln. Das Gutshaus Alt Schönau, ein überputztes Fachwerkgebäude, war ursprünglich eingeschossig gegen Ende des 18. Jhs. errichtet worden. Es wurde 1918/19 umgebaut. Dabei entstand das jetzige zweigeschossige Haus mit ausgebautem Mansardendach. Im Norden besitzt es einen Mittelrisalit, dessen Dreieck das Ziffernblatt eines Uhrwerks schmückt. 1945 ist auch dieses Haus erst von Flüchtlingen bewohnt gewesen. Doch schon bald wurde es als Kindergarten, Gaststätte, Friseursalon, Bibliothek, Post, Bauernstube, vom Arzt und der Gemeinde genutzt. 1987 konnte es neu eingedeckt werden. Dadurch sind größere Schäden am Bauwerk verhindert worden. Nach 1990 stand es zunächst leer, bis es von 2002 bis 2003 restauriert wurde. Heute wird es privat von drei Familien genutzt. Die Stallungen sind auch noch in einem guten Zustand. Sogar das recht primitive Uhrwerk ist noch erhalten. Es soll samt Ziffernblatt 2005 restauriert werden. Die Kirche von Alt Schönau, 1310 erbaut, liegt romantisch auf einem Hügel abseits vom heutigen Dorf. Sie war vom 13. Jh. an Tochterkirche von der zu Falkenhagen. Das Patronat hatte das Stift Broda. Als nach dem 30jährigen Krieg die Kirche von Falkenhagen verwüstet war und hier keine Menschen mehr lebten, verschwand der Ort für fast 300 Jahre von der Landkarte. Zu dieser Zeit wurde die Alt Schönauer Kapelle Filialkirche von Gievitz. Als Baujahr der frühgotischen Feldsteinkapelle steht das Jahr 1310 fest. Sie ist aber verfallen gewesen und wieder aufgebaut worden. Die Ansätze zu den beiden Gewölben, die den Innenraum ursprünglich überspannt hatten, sind noch erkennbar. Später wurden sie durch eine flache Balken- und Bretterdecke ersetzt. Am Portal auf der Südseite, an den beiden Fensterschlitzen der Ostwand und an den Fenstern der Langseiten werden Wandungen und Leibungen durch das Abewchseln von Rundstäben und Birnstäben oder dem Abfassen von Viertelrundstäben belebt. Diese Art von Verzierungen sind typisch für den Übergang der Frühgotik zur Hochgotik. Die größeren Fenster sind außerdem mit einem gedrückten Spitzbogen versehen. Bemerkenswert sind die Spitzgiebel mit ihrem reichen Blendwerk an der West- und  Ostseite. Das beim Gewölbeeinsturz in Mitleidenschaft gezogenen Feldsteinmauerwerk wurde später durch Ziegel ergänzt. Die Kanzel ist wahrscheinlich um 1700 gefertigt worden. Bemerkenswert ist ein spätgotischer Schnitzschrein mit vielen verschiedenen heiligen Figuren. Der Pastorenstuhl stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs. Erwähnenswert ist auch ein Taufengel aus dem 18. Jh. Die Kirche besitzt außerdem eine ganze Reihe gestifteter Kelche, die gesamte Vasa vacra ist aus dem 19. Jh. Zwei Zinnleuchter stammen aus dem 18. Jh.  An der Nordwand befinden sich zwei Zinnschilde der Familie v. Voss. Das Harmonium mit einem Orgelprospekt ist nicht mehr bespielbar. Von den ursprünglich zwei Glocken ist nur noch die 1852 von C. Illies (Waren) gegossene erhalten, die in einem Glockenstuhl nahe des Westgiebels untergebracht ist.
Quelle: Gutsdörfer im Müritzkreis von Gerhild Meßner, Ernst-Ludwig Evers / Manfred Achtenhagen

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