Alt Rehse -Mecklenburgische Seenplatte

Alt Rehse
Alt Rehse liegt ganz am östlichen Rand des Müritzkreises am Westufer des Tollensesees. Der alte slawische Name „Reze(Resze)“ bedeutet so viel wie Seedorf. Er kann aber auch von dem Wort reka = Fluss abgeleitet sein. Das Dorf gehörte mit zu den ersten Besitzungen des Klosters Broda, und blieb es gemeinsam mit Neu Rehse bis zur Auflösung des Klosters im 16. Jh. Schon zu Zeiten des Klosters hatten die v. Maltzahn (Penzlin) Besitz im Dorf, den sie beständig ausbauten. Die meiste Zeit jedoch war dieser verpfändet: Im 16. Jh. an Jakob Zartwitz und Jochim Arenstorff, im 17. Jh. an B. Schiterlow, die Stadtkämmerei Penzlin, Ch. Peccatel, H. Blankenburg, Jochim und Jakob v. Vieregge, dann an Fried. v. Arenstorff, Bürgermeister Krauthof (Güstrow), Major Gregorius, Ch. Wagner und J. Barnekow, im 18. Jh. an v. Winterfeld un v. Engel. 1765 konnte Alt Rehse von Joseph Ch. H. v. Maltzahn (Penzlin) wieder zurück gewonnen werden. Ab 1768 wohnte er sogar dort, weil er von hier aus die Bewirtschaftung der vielen Maltzanschen Güter besser realisieren konnte. Erwähnenswert ist, dass sein Sohn, Ferdinand v. Maltzahn schon 1816 auf den Gütern der Familie die Leibeigenschaft aufhob. 1849 verkauften die v. Maltzan das Gut an J.K.H. Wendland(t). In der Folge wechselten die Besitzer wieder häufig: 1856 Johann Strahsen, 1857 C. O. Ferd. Mercker und Sohn Hermann, 1892  August Beese. 1897 war Ludwig Baron v. Hauff, ein Verwandter des Dichters Wilhelm Hauff, Besitzer des 507 ha großen, von ihm umgewandelten Allodialgutes. Er ließ an exponierter Stelle im Park 1898 das sog. „Schloss Lichtenstein“ errichten, das dem Familiensitz in Südwestdeutschland nachgebaut war. 1921 brannte es bei Sanierungsarbeiten ab und wurde 1923 im nüchternen Stil dieser Zeit wieder aufgebaut. Vom „Schloss“ konnte man damals noch über den Tollensesee schauen. Hauff ließ viele Bäume anpflanzen, die heute diesen Blick nicht mehr zulassen.Nach dem Tod Ludwigs v. Hauff wurde das Gut verpachtet. Drei Pächter wechselten in kurzer Zeit. Das währenddessen in Konkurs geratene Gut sollte an eine Siedlungsgesellschaft verkauft werden. Dazu kam es aber nicht, denn die Reichsärzteführung meldete Kaufinteresse an und übernahm es 1935. Das fern der Straßen und versteckt in dünn besiedelter Umgebung liegende Dorf war wie geschaffen, um hier die Reichsärzteführerschule zu etablieren. Ziel war es, hier in mecklenburgischer Idylle für die Reichsärzte ein Musterdorf entstehen zu lassen. Auffallend sind die ohne Zweifel schönen, schilfgedeckten Häuser, an deren Eingängen die neue Zeitrechnung des Dritten Reiches sichtbar gemacht wurde. Im „Schloss“ wurde der deutschen Ärzteschaft die „Erhaltung des artgleichen und gesunden Bestandes des deutschen Volkes“ gelehrt, die die Euthanasie beinhaltete. Die SS-Führung besuchte Alt Rehse regelmäßig. 1945 sollte das „Schloss“ im Park gesprengt werden. Der Befehl wurde jedoch widerrufen und 1948 wurde auf Initiative der Volkssolidarität unter Leitung von Prof. Maxim Zetkin eine Heimstatt für Kriegswaisen eingerichtet. Das „Schloss“ war zu dieser Zeit Schule. 1952 wurde das Kinderdorf aufgelöst. Die NVA übernahm das Areal und nutzte es fortan für Schulungen, Übungen und zum Erholen. In dieser Zeit wurden in die Hänge am Ende des Parks Bunkerstollen getrieben. 1990 beanspruchte die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns die Rechtsnachfolge über die Grundstücke für sich. 2003 verzichtete dann die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf eine Rückübertragung. Das Parkensemble gehört der Bundesrepublik Deutschland und soll verkauft werden. Mit Sicherheit ließ Joseph Ch. H. v. Maltzan den noch heute erkennbaren Gutshof in Alt Rehse errichten. Er wohnte in einem Fachwerkhaus auf einem Feldsteinfundament mit Rohrdach. Dieses wurde 1856 von Johann Strahsen gründlich renoviert. Zwei Treppenstufen mit der Jahreszahl 1856 erinnern daran. 1862 ließ Carl O. Ferdinand Mercker das Haus völlig neu aufbauen Es ist ein zweigeschossiger, 11-achsiger Putzbau. Auf beiden Seiten dominierten 3-achsige Mittelrisalite, die mit jeweils 4 Türmen verziert waren. Auch die Giebel waren mit Türmen geschmückt und gaben dem Haus ein imposantes Aussehen. Von dieser Pracht ist nicht viel geblieben. Es wurde zu DDR-Zeiten völlig verbaut und gehört heute der Gemeinde. Oben sind nach wie vor Wohnungen. Im unteren Bereich richtete die Gemeinde Ausstellungsräume ein. Bemerkenswert ist ein gut erhaltener alter Speicher gegenüber. Die schilfgedeckten Häuser im Ort, alle bis auf den Rehser Krug und das Pfarrhaus in den 1930 Jahren gebaut, sind sehr schön restauriert worden. Eine Kopfsteinpflasterstraße und die gepflegt alte Lindenallee runden das harmonische Bild ab. Alt Rehse war Mutterkirche von den Orten Krukow und und Mallin. Aus der Kirchengeschichte von Alt Rehse ist bekannt, dass die Sakralbauten häufig desolat waren und wahrscheinlich nur notfürftig repariert wurden. In einem Protokoll von 1661 ist Folgendes festgehalten: „Die Kirche unterm steinerm Dache, … der Turm ist vom Winde oben heruntergeschlagen, welcher das Dach unten getroffen und auf drey Gebindt ein Loch darein gemacht, auch ist ein Endt Mauerwerck an der Kirchen abgeborsten, in dem Untergebäud des Turms sind drey Glocken, davon die mittelste geborsten.“ 1716 wird berichtet, dass die Kirche in Alt Rehse völlig wüst liegt und dass deshalb der neue Pastor in Krukow in sein Amt eingewiesen wurde. Die jetzige Kirche ist ein neugotischer Bau aus den Jahren 1889 – 1893. Er wurde aus Feldsteinen und Ziegeln erbaut. Chor und der Turm der einen Pyramidenhelm trägt, sind aus dem gleichen Material. Die Innenausstattung stammt aus jener Zeit. Die einst umfangreiche Vasa sacra ist Ende des 2. Weltkrieges entwendet worden. Die Glocken sind aus den alten Kirchen übernommen. Eine stammt aus dem 16. Jh., die andere aus Eisenguss aus dem Jahre 1791 und wurde von Joseph v. Maltzahn gestiftet. Angang der 1990er Jahre wurde die unter Schutz gestellte Friedhofsmauer saniert. Schön anzusehen ist auch der ganz und gar von Efeu bedeckte Ostgiebel der Kirche.
Quelle: Gutsdörfer im Müritzkreis von Gerhild Meßner, Ernst-Ludwig Evers, Manfred Achtenhagen

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