Alt Gaarz und Neu Gaarz südlich der Müritz

Alt Gaarz und Neu Gaarz südlich der Müritz
Alt Gaarz liegt – typisch für eine slawische Siedlung – gut geschützt zwischen „Wasserarmen“ und dadurch einst schlecht zugänglich. Der südliche Teil des Müritzarmes schlängelt sich hier im Westen an den Wiesen von Alt Gaarz entlang. Auf der anderen Seite ist der schmale Landstrich vom Thüren-Tralowsee begrenzt. Gaarz früher auch Gartz, Gardiz, Gartze bedeutet soviel wie kleiner Burgort. Südlich des Dorfes Alt Gaarz ist auf dem „Franzosenberg“ ein zerstörter Burgwall nachgewiesen. 1239 wurde schon Nygengartz erwähnt. Dieser Ort lag nahe der heutigen Gaarzer Mühle. Alt Gaarz wurde erstmals 1291 in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Wenig später, 1298, verkauften es Otto und Gothmar v. Retzow an die Johanniterkomturei Mirow. Dann ging der Besitz der Komturei in fürstlichen Besitz über. Bewirtschafter im Auftrage des Fürsten waren die sogenannten Schulzen. Sie vererbten dieses Amt. In Gaarz übte es die Familie Engelke (Engel) seit Ende des 16. Jhs. aus. Vor dem 30jährigen Krieg waren in Gaarz 13 Bauern und 2 Kossaten ansässig. Nach dem Krieg waren es neben dem Schulzen nur noch 2 Bauern. Eine Tochter der Familie Engelke heiratete 1711 Peter Zander (Nachkomme einer alteingesessenen Familie in Gaarz), der das Schulzengericht übernahm. 1648  wurde Gaarz Domäne. 1807 wurden 6 Bauernhöfe gelegt und die Familie nach Quassow, Userin und Fürstensee umgesiedelt. In Gaarz wurde eine fürstliche Meierei eingerichtet und verpachtet. Das Umsiedeln hatte Folgen, denn 1809 brannte nach einem gelegten Feuer fast das ganze Dorf nieder. 1812 gab Gottfried Zander das Freischulzengericht auf den Pächter über, der 2km nördlich von Gaarz einen Gutshof 1809 gebaut hatte. Damit entstand das heutige Neu Gaarz. 1832  erhielt Anton Siemßen (Feldberg) den Pachthof von 984 ha. 1874 folgte sein Schwiegersohn L. Wendland (Broda). Danach hatte ein Hermann Voss den Pachthof. In den 1930er Jahren wurden Alt und Neu Gaarz aufgesiedelt. Das Pächterhaus war ein eingeschossiges Fachwerkhaus auf einem Feldsteinsockel über 8 Fensterachsen. Die Giebel waren Nord-Süd ausgerichtet. An der Vorderseite besaß es einen 2-achsigen Mittelgiebel, der die Eingangssituation betonte. Im Norden schloss sich eine Glasveranda an, die um 1950  abgebaut wurde. Ein Walmdach schloss das Haus nach oben ab. Nachdem das Haus einige Zeit leer stand, wurde es 1978/79 abgerissen. Heute erinnern neben der verschwiegenen engen Lindenallee noch große Stallungen an den einst großen Gutshof. Ursprünglich waren es 4 große und 2 kleine Ställe. Heute wird von den übrig gebliebenen 4 alten Ställen nur noch einer genutzt. Die anderen stehen leer und zerfallen. Reste eines Parks mit 2 großen Birnenbäumen sind ebenfalls vorhanden. Es wird angenommen, dass Gaarz der älteste Kirchenort der südlichen Müritzregion ist. Schon um 1230 soll hier eine Kirche gestanden haben. Bis 1541 ist sie die Mutterkirche von Vietzen, Retzow und Kotzow. Im 30jährigen Krieg wurde sie zerstört und der Ort wurde mit der Mirower Komturei Domäne. 1651 gehörten kirchlich zu Gaarz, Vietzen und Krümmel. 1740 wurde der Wiederaufbau der Kirche veranlasst. Es war eine Fachwerkkirche mit Turm, in dem zwei Glocken hingen. Sie hatte einen Chor und einen Kanzelaltar. Aber schon 1809 brannte sie samt dem ganzen Dorf nieder. Deshalb war die Kirche bis zum Neuaufbau 1854 nach Vietzen eingepfarrt. Diese Kirche ist die einzige von Buttel (Baumeister in Neustrelitz) erbaute im Müritzkreis. Sie ist ein rechteckiger Fachwerkbau mit eingezogenem Chor. Der quadratische Turm ist zu einem Drittel vorgebaut. Die Verkleidung aus Querbrettern hat sie erst nach 1925 erhalten. Im Innern finden wir eine flache Balkendecke. Die Wände sind glatt verputzt, so dass vom Fachwerk nichts zu sehen ist. Auffallend ist die Schlichtheit von Kanzel, Altar und Gestühl. Die Orgel ist seit dem 2. Weltkrieg außer Betrieb. Bemerkenswert ist, dass das gesamte Inventar von 1855 noch vorhanden ist. Dazu zählen auch ein kupfernes Taufbecken mit Marmorfuß, ein Kelch mit Patene, zwei Leuchter und eine Kanne. Die Glocke wurde 1854 von Schumann (Demmin) gefertigt und trägt die Inschrift: „Aufwärts der Sinn, zum Ewigen hin. – Ich heiße Luise, mich schenkte Georg.“ Alt Gaarz besitzt noch als einziges Dorf im Müritzkreis eine unbefestigte Straße. Flankiert wird diese von einer wunderbaren alten Kastanienallee. Die Mühle wurde 1805 gebaut. Noch um 1960 war diese Jahreszahl auf dem „Wetterhahn“ zu lesen. Müller war Ludwig Wilh. Schulz und seine Erben bis 1852. Danach folgte Ernst Leo Müller, später die Familie Maas und ab 1958 die Familie Enders. 1971 baute die VdgB-BHG Bernau die Mühle zum „Ferienobjekt“ um. Bis 1993 wurde sie vermietet. Heute wird sie privat genutzt.
Quelle: Gutsdörfer im Müritzkreis von Gerhild Meßner; Ernst-Ludwig Evers / Manfred Achtenhagen

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